Warum kaufe ich beim Züchter

Viele Katzenliebhaber stellen sich immer wieder die Frage, warum man eigentlich beim Züchter kaufen sollte und nicht bei einem günstigeren Vermehrer. Die Katzen schauen doch genauso aus und in den Verkaufstexten steht doch auch, dass sie reinrassig sind!

Hier möchte ich versuchen, Ihnen zu erklären, warum man trotzdem beim Züchter kaufen sollte!!

Vereinsregeln
Ein eingetragener Züchter muss sich an das Regelwerk des jeweiligen Vereins halten. Viele dieser Regeln sind nur zum Schutz der Katzen geschrieben. Ich fange mal ganz von vorne an und erkläre die Unterschiede.

Kauf der Zuchttiere
Schon beim Kauf der zukünftigen Zuchttiere fangen die Unterschiede an. Wenn ich meine Zuchtarbeit seriös machen möchte, muss ich von Anfang an schon bei der Wahl der Tiere aufpassen. Somit sollte ein Züchter nur Tiere mit Stammbaum, der aus gut untersuchten Linien ist, kaufen und auch darauf achten, dass der Rassestandard so gut wie möglich eingehalten wird. Rein rechtlich gesehen, darf eine Katze auch nur reinrassig genannt werden, wenn sie die dazugehörigen Papiere (Stammbaum) nachweisen kann. Zudem werden in Anzeigenportalen wie beispielsweise Ebay nicht nach Katzen gesucht, sondern durch Empfehlungen, Homepages und persönlichen Kontakten zum Züchter ausgesucht. Natürlich findet man auch in diesen Portalen das ein oder andere Mal ein gutes Tier, aber ohne Recherche und Besuch beim Anbieter sollte man auch das schönste Tier nicht kaufen. Manchmal kann es auch viele Monate dauern bis man, beim Züchter der Wahl, das passende Kitten gefunden ist. Es wird vor dem Kauf noch der Stammbaum und die Linien der Eltern recherchiert, um herausfinden zu können, ob es in diesen Linien evtl. vererbbare Krankheiten gegeben hat. Dies nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Es gibt Listen, auf denen z.B. erkrankte Katzen mit der Herzkrankheit HCM eingetragen sind. Jeder Vorfahre im Stammbaum wird überprüft, ob er auf der Liste steht. Züchter sind oftmals auch über das Internet vernetzt und schreiben über gute oder schlechte Erfahrungen mit Züchtern oder über bestimmte Linien. Dies sollte man zudem überprüfen. Nach der Recherche entscheide ich, ob dieses Tier das Richtige für mich ist. Es gibt deutliche Preisunterschiede zwischen einem Liebhabertier und einem Zuchttier. Der Preis bei einem Züchter ist meist auch mindestens doppelt so teuer wie bei einem Liebchen. Somit muss ich als Züchter schon deutlich mehr Zeit investieren und Geld ausgeben als ein Schwarzzüchter. Ein weiterer Termin steht noch an, da noch die erste Ausstellung geplant werden. Ich muss meine Katze einem Rassekatzenrichter vorstellen, der mir die Zuchttauglichkeit bescheinigt. Ausstellungen kosten eine Menge Geld und es gibt dort außerdem keine Preisgelder!!

Der Schwarzzüchter sucht sich in der Regel ein Tier aus einem der Anzeigenportale aus, welches ihm optisch gefällt und welches nicht zu teuer ist. Den Stammbaum braucht er nicht, das kostet ja sonst noch mehr Geld. Und erstmal verheimlicht er meist, dass die Katze später mal Babys haben soll.
Dies kann aber schlimme Folgen haben!!!
Da man ja keine genauen Informationen zu den Eltern hat, könnte die Katzen auch unterschiedliche Rassen haben oder auch schon Mixe gewesen sein. Es gibt Rassen, die man nicht miteinander verpaaren sollte, da Kitten dadurch schon missgebildet auf die Welt kommen können.
Auch habe ich überhaupt keine Informationen über die Vorfahren und welche genetischen Krankheiten diese vielleicht haben könnten. Somit züchte man unwissend schlimme Krankheiten bei Kitten, wie z.B. Erblindung, Blutkrankheiten oder schwere Herzerkrankungen.

Natürlich kann auch ein Züchter nicht alle Krankheiten ausschließen, aber er kann zumindest versuchen, durch das Testen der Eltern (wird in einem anderen Punkt noch genauer erklärt) und durch Recherchen der Linien, Krankheiten auszurotten oder zu minimieren.

Die Zeit bis zum ersten Eindecken
Nachdem man dann endlich das perfekte Tier gefunden hat, geht die Arbeit weiter. Zunächst einmal muss ein Quarantänezimmer eingerichtet werden. Die Katze darf erst in den Bestand, wenn ich sicher bin, dass sie nichts mitgebracht hat. Das heißt eigentlich zunächst wieder Geld ausgeben, da auch eine Kotprobe abgegeben und ein großes Kotprofil erstellt werden muss. (Giardien, Tritrichomonas foetus, Wurmbefall, Bakterien und vieles mehr). Auch ein Test auf FIV (Katzenaids) und FeLV (Leukose) wird durchgeführt, damit sich die anderen Katzen nicht anstecken können.

Nachdem die Gesundheit vom Labor bestätigt wurde, darf die Katze zu den anderen. Wenn es keine Bestätigung gibt, kommen auch noch Behandlungskosten dazu. Wenn man offiziell ein Zuchttier kauft und das Tier doch erkrankt ist, hat man rein rechtlich gesehen nicht viele Chancen. Letztendlich bleibt man in der Regel auf allen Kosten sitzen. Und auch jetzt bin ich noch nicht am Ende meiner Kosten. Bevor sie das erste Mal eingedeckt werden soll, stehen noch einige Termine auf dem Plan. Zuallererst führt der Weg wieder zum Tierarzt, um die Katze auf genetische Erbkrankheiten zu untersuchen. Diese Untersuchungen sind in meinem Menüpunkt (Zertifikate) ausführlich erklärt und offengelegt. Auch führt mein Weg noch zu einem Kardiologen, der einen Ultraschall vom Herzen und der Nieren durchführt. Wenn dann alle Ergebnisse zu meiner Zufriedenheit ausfallen, heißt es warten. Da ich ja Mitglied in einem Verein bin, muss ich mich an dessen Regeln halten, was wiederum heißt, dass die Katze nicht vor dem 10. Lebensmonat eindecket werden darf. (Besser ist natürlich noch später.) Der Körper der Katze entscheidet aber oftmals, ob sie schon viel früher geschlechtsreif ist. Das heißt so viel wie, dass manche Katzen schon im Alter von fünf Monaten das erste Mal rollig sind. Jetzt muss ich mir mal wieder etwas einfallen lassen. Die Katze muss vom Kater getrennt werden und die Rolligkeit muss durch Medikamente unterdrückt werden. Die Katze ist zu jung, um Babys zu bekommen und sie sollte auch nicht ständig rollig sein, damit man eine Dauerrolligkeit verhindern kann. Jeder Züchter will seinen Liebling um jeden Preis vor einer Gebährmutterentzündung schützen. Somit sind wir schon wieder beim „Geld ausgeben“ angekommen und zusätzlich benötigt meine Katze auch noch ein Verhütungsmittel. Wenn dann alles gut geht, darf die Katze dann mit ca. einem Jahr das erste Mal eindecket werden, dazu muss ich natürlich den passenden Kater haben. Wenn ich keinen eigenen Kater besitze, muss ich mir einen von einem anderen Züchter leihen, dann fallen wiederum Deckgebühren (Deckgebühr liegt in der Regel in der Höhe eines Kittens) an und wieder Zeit für die Recherche seiner Vorfahren. Die Kater leben in der Regel nicht direkt vor der Haustüre, wodurch ich viele Kilometer in Kauf nehmen muss und wenn es nicht geklappt, hat das Ganze seinen Zweck nicht erfüllt.

Beim Vermehrer gibt es meist keine Quarantäne. Wenn die Katze also etwas mitbringt, hat es am Schluss dann noch die ganze Gruppe. Es werden keine oder kaum Untersuchungen auf Erbkrankheiten durchgeführt, denn wenn es solche geben würde, könnten die Katzen nicht für Spotpreise abgegeben werden. Wenn die Katze das erste Mal rollig ist, wird sie meist auch gleich eingedeckt, egal wie alt die Katze ist. Die Natur wird es schon richten… Gesetze hierfür gibt es ja nicht, also macht er auch nichts Verbotenes. Verhütungsmittel kosten Geld und Zeit, diese kann er sich regelrecht „sparen“, wenn er die Katze gleich eindeckt. Und das Problem mit dem Kater: Im Internet findet man bestimmt einen günstigen Kater, der alle Katzendamen deckt, die man dort dann vorbeibringt. (Schließlich soll der Kater ja auch Geld verdienen.) Wie viele Krankheiten so ein Kater mitbringen kann, kann sich jeder selbst vorstellen. Da viele Menschen mit ihren Katern einen kleinen Zusatzverdienst haben möchten, gibt es diesen auch meist in der Nähe.

Trächtigkeit
So, nun ist es soweit. Meine Katze kommt vom Kater zurück und ist hoffentlich trächtig. Meine Arbeit besteht jetzt darin, die Katze mit gutem Futter und Vitaminen zu versorgen, damit sich die Kleinen bestmöglich entwickeln können. Zudem wird die Katzenmutter jetzt auch regelmäßig gewogen. Bei Gewichtsabnahmen merke ich schneller, wenn etwas nicht stimmt. Der Geburtstermin wird errechnet und so besorge das, was ich alles zur Geburt brauche. Im letzten Drittel der Trächtigkeit macht der Tierarzt eine Kontrolle (Ultraschall), um festzustellen, ob es den Kleinen gut geht und um zu sehen, wie viele Kitten die Mutter trägt. Nun werden mehrere Plätze hergerichtet, damit sich die Mama zeitnah vor der Geburt einen tollen Platz aussuchen kann, in dem sie in aller Ruhe ihre Babys auf die Welt bringen kann. Für die Geburt wird alles hergerichtet und für den Notfall der Tierarzt informiert, falls es zu Komplikationen kommt. Ab dem 56. Tag wird regelmäßig die Temperatur gemessen, damit man feststellen kann, wann die Geburt einsetzt. So, dann kann es losgehen. Ein Schlafplatz neben der Wurfbox wird hergerichtet und unter Umständen wird auch ein paar Tage auf dem Boden geschlafen, nur um die Geburt nicht zu verpassen. Die Geburt darf auf keinen Fall losgehen, ohne dass ich es mitbekomme, denn das Leben von Mutter und Baby steht schließlich auf dem Spiel.

Bei den Vermehrern wird einfach abgewartet, ob die Katze dick wird und ob die Geburt losgeht. Das Leben der Katze geht genauso wie vorher weiter, auch bis es dann losgeht. Es wird eine Schachtel mit einer Decke hergerichtet, wo dann die Katze werfen soll. Man muss sich dabei immer vor Augen führen, dass garantiert niemand Kitten produzieren und dabei extrem draufzahlen will. Ultraschall, Futter für trächtige Katzen, stabile Wurfboxen mit Kittenauslauf und alles was man sonst so braucht, kostet viel Geld. Wenn ich das alles ausgeben muss, wird es mir nicht möglich sein, die Kleinen günstig abzugeben und dabei noch etwas daran zu verdienen.

Die Geburt
Die Katze liegt in der Wurfbox und es geht endlich los! Jetzt heißt es für mich, die Mama und die Kleinen, so gut es geht, zu betreuen. Natürlich habe ich mich im Vorfeld ausreichend darüber informiert und auf alle Eventualitäten vorbereitet, viele Gespräche mit anderen Züchtern und dem Tierarzt geführt. Ich weiß genau, was zu tun ist. Das erste Baby kommt! Durch die Vorbereitung im Vorfeld weiß ich genau, was ich machen muss. Dazu gehört, dass man die Fruchthülle öffnen muss, evtl. die Nabelschnur durchtrennen, Wiederbelebung eines Kittens und Massagen für die Mutter, wenn ein Kitten steckt, durchführen muss. Außerdem sollte man den Tierarzt am Telefon haben, falls ich mir unsicher sein sollte und alles was sonst noch dazu gehört, befolgen. Was mache ich bei Wehenschwächen, wie lange kann ich bei einem Geburtsstillstand warten, braucht die Katze einen Kaiserschnitt? Das Geburtsprotokoll wir angelegt. Die Kleinen werden mit Uhrzeit dokumentiert und gewogen. Gleichfarbige Kitten werden noch gekennzeichnet, damit Verwechslungen auszuschließen sind. Ist ein Kitten zu leicht, muss es besonders beobachtet werden. Natürlich muss dabei immer ein Auge auf die Mama geworfen werden, um sicherzustellen, dass es ihr gut geht.

Der Vermehrer weiß meist gar nicht, wie er bei der Geburt helfen oder eingreifen kann bzw. soll. Katzen bekommen Kitten nicht immer zu normalen Sprechzeiten und deshalb muss bei Komplikationen zunächst ein Arzt gesucht werden. Dieser muss mit der Mutterkatze in der Praxis vorstellig werden, da dieser keine Hausbesuche durchführt. Wenn ein Kitten leblos auf die Welt kommt, übernimmt die Mutter den Job mit dem Auspacken aus der Fruchthülle und dem Durchtrennen der Nabelschnur. Oftmals ist niemand zu Hause, wenn Kitten auf die Welt kommen oder es wird erst bemerkt, wenn das erste Kitten schreit. So viel Kummer und Leid kann verhindert werden, wenn man bestens informiert und vorbereitet ist.



Die Aufzucht

Der Züchter versucht die Kleinen mit bestem Wissen und Gewissen großzuziehen, bestenfalls inmitten der Familie. Ich scheue keine Kosten um den Kleinen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Die Mama wird mit hochwertigem Futter gefüttert und bekommt auch sonst alles, was sie möchte. Die Mutter bekommt Vitaminpräparate und was sie sonst noch benötigt. Auch die Kleinen werden von Anfang an hochwertig mit Fleisch ernährt und bekommen Futter aus der Dose. Sie lernen auf das Katzenklo zu gehen und werden in der Gruppe erzogen. Auf gar keinen Fall gibt ein Züchter die Kleinen vor der 12. Lebenswoche ab. Die Kleinen gehen nur geimpft und gechippt und mit einem Gesundheitszeugnis aus dem Haus. Außerdem bekommen sie eine Infomappe und ein kleines Paket mit Spielzeug und Futter für die ersten Tage. Zudem sind die Züchter, normalerweise so lange das Kitten lebt, mit Rat und Tat an ihrer Seite. Außerdem erklärt er Ihnen all Ihre Fragen und hilft bei Problemen.

Der Vermehrer sperrt oftmals die Kleinen weg, denn dies macht weniger Arbeit und ernährt sie zudem mit Billigfutter aus dem Discounter. Es muss ja am Schluss noch genug „übrigbleiben“. Wenn die Kleinen ab der 8. Woche anstrengend und teuer werden, werden sie abgegeben. Danach muss sich der neue Besitzer um die Kosten kümmern und besitzt eine verhaltensgestörte Katze.

Der Züchter sollte sich an die Zuchtregeln im Verein halten, die Katze, wie vorgeschrieben, höchstens dreimal in 2 Jahren eindecken und sich auch an andere Vorschriften halten.

Der Vermehrer hat keine Vorschriften und kann die Mama sofort wieder eindecken.